Michael Donhauser

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Und die Augen

Und die Augen, die wir waren, da wir sahen, da bald glühte eines Abends, bald verborgen, was uns grüsste, täuschte oder nahe war, denn es blieb ein Blick und fragte, zog wie Schatten, war ein Hören, und es wankte leicht und zögernd, was uns fand und lächelnd säumte lang die Strasse als ein Himmel, als ein Wieder, dass wie Silben, da wir fuhren, war das Sagen, sieh und weiter, wie sich neigte und das Dröhnen war fast Lied, wie die Namen, die wir tauschten, da als Äste sich verzweigte oder dunkler war die Nacht, und wir suchten, und es legte sanft wie Hände sich ein Schauen oder lachte, wenn uns streifte, was verloren als ein Mond füllte unsere erste Stille, die noch leiser dann und tönte, da durch Dörfer bog und ein, Fahrt war, was sich gab wie hin, uns verwandt und Worte zählte.

ORIENT

Vorübergehend, fragte die Dame an der Rezeption und meinte, für wie lange, denn die Gäste, welche dort nächtigten, kamen zuoberst in den vierten Stock, wegen des Stufensteigens, während die, welche nur eine Stunde blieben, ein Zimmer im ersten oder zweiten Stock bekamen, im ORIENT, so hiess das Hotel – wir nahmen eines im dritten, weil wir uns nicht entscheiden konnten, wie lange wir blieben, und lachten, wie wir die Stufen hinan stiegen, Olga ging voraus, und ich sah ihre Beine, ich mochte die Art, wie sie die Stufen nahm, selbstbewusst und mädchenhaft in einem – ich atmete ihren Duft, trotz des starken Eigengeruchs, den das Stiegenhaus hatte, wir lachten über unsere Unentschiedenheit in der Entschiedenheit, womit wir das ORIENT durch die Drehtür betreten hatten, etwas unvorbereitet dann auf jene Frage in einem Wort: vorübergehend?

Stiegenhäuser waren damals noch eher düster, mit Teppichläufern, welche einem führten, in die Höhe, und eine Ahnung gaben von den Zimmern und den Hunderten von Gästen, welche so wie wir da schon hinaufgestiegen waren – ich hoffte auch kurz, niemandem zu begegnen, keinem Paar, das in einer Kehre wartete, etwas ausdruckslos, um uns vorbeizulassen, keiner Putzfrau, welche mit einem Kübel da stünde, und im Flur, vor der Zimmertür, holte mich doch noch eine seltsame Ungeduld ein – ins Zimmer fiel Streulicht von draussen, dann war es erleuchtet, gelblich von einer müden Deckenlampe, die als ein Auge schien, das über Jahre schon Liebesspiele sah, wie die Tapeten, welche das Atmen und Stöhnen hörten: wir standen plötzlich etwas ratlos in dem Zimmer, Olga und ich, als hätten wir den Faden verloren, der uns führte, wenn auch vorübergehend nur, durch das Labyrinth unserer Leidenschaft.


Michael Donhauser

*27. Oktober 1956

AUSBILDUNG
1976–83 Studium, Germanistik und Romanistik, in Wien, Abschlussarbeit zu den deutschen Übersetzungen von Charles Baudelaires „Fleurs du Mal“

KÜNSTLERISCHE UND BERUFLICHE TÄTIGKEITEN
ab 1985 Veröffentlichungen, zuerst in den „manuskripten“, dann in anderen Literaturzeitschriften, anfangs Erzählungen und Prosagedichte, 1996 erscheint „Livia oder Die Reise. Roman“, dann Auftragsarbeiten in Prosa, Essays und Übersetzungen, Weiterentwicklung lyrischer Formen, in Anlehnung einerseits an das Prosagedicht, andererseits an das Liedhafte.